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im rahmen des projekts STADT IM REGAL - Brache entsteht das gleichnamige video: https://stadtimregal.de/de/Brache/exhibitionsfree//10/679

nach sieben jahren hatte die zeit im schlafzimmer meiner wohnung deutliche spuren hinterlassen. einerseits durch das viele rauchen, das die wände gelb hatte werden lassen. zum anderen waren abnutzungsspuren durch abrieb entstanden, vor allem an der wand, an der das bett steht. dort sah man einen schatten an der stelle, an der ich im bett sitzend an der wand gelehnt hatte - eine art selbstportrait in der herstellungsart eines langzeit-action-paintings.
ich bitte die fotografin silke helmderdig, eine aufnahme in großbildformat von dieser wand anzufertigen. ein hochauflösender scan dieses dias wird im format 1:1 auf papierbahnen ausgedruckt und als fototapete an die ursprüngliche, identische wand des mittlerweile frisch gestrichenen zimmers tapeziert.


mittlerweile hat sich der bettgeist verstärkt, der tintenstrahldruck reagiert in eigener weise.


sämtliche belege - kassenzettel, quittungen, fahrkarten, kinokarten etc. - aus dem zeitraum des stipendiums an den wänden des senatseigenen galerieraums. die belege eines tages hängen jeweils untereinander, die belege aller tage über 20,6 metern nebeneinander. eine partitur im nachhinein.

das shell-haus ist auf einem dreieckigen grundstück errichtet. die räume gehen auf den drei außenseiten zu drei straßen, in der mitte zu einem großzügigen innenhof. flure ziehen sich durch die mitte des gebäudes: links und rechts gehen die arbeitsräume ab, die flure selbst haben keine fenster und lassen keine orientierung zu, in welchem teil des gebäudes man sich gerade befindet.

unter den mitarbeiter*innen wird eine umfrage gestartet, was ihnen an ihrem arbeitsraum besonders auffällt: ausblicke, licht, stimmungen, objekte, wiederkehrende ereignisse oder andere gegebenheiten. die persönlichen wahrnehmungen der mitarbeiter*innen werden an ihren jeweiligen räumen notiert. schilder und layout entsprechen der bereits existierenden raumbeschriftung und werden neben den vorhandenen raumschildern angebracht. beim lesen der schilder ereignen sich die beschriebenen wahrnehmungen in den vorstellungen der lesenden und werden beim betreten einzelner räume durch eigene wahrnehmungen ergänzt.

die gasag berlin realisierte 2002 - 2005 unter dem titel kunst im bau ein projekt zur künstlerischen ausstattung der flure und treppenhäuser ihrer damaligen hauptverwaltung im shell-haus berlin. die 49 glasschilder der parallelbeschilderung befanden sich auf der 2. und 3. etage des gebäudes (seit auszug der firma aus dem gebäude im jahr 2010 befindet sich die sammlung in der berlinische galerie, landesmuseum für moderne kunst, fotografie und architektur, berlin).

http://www.herrstrieder.de/

STADT IM REGAL - scarface, oberflächenrekonstruktionen und anti-aging-systeme
ausstellung vom 15. Juni - 20. Juli 2003 in der gesellschaft der freunde junger kunst, altes dampfbad, baden-baden

die in der vorstellung von baden-baden gebündelten sehnsüchte nach glamourösem müßiggang, zauberberg und forever young bringen STADT IM REGAL auf den gedanken, gerade hier eine ausstellung zu Zeit, vergänglichkeit, dem altern und zurichten von körpern und architekturen und der inszenierung ihrer oberflächen zu realisieren.

1. Forever 39: Vollkopfmaske, Acrylfarbe auf Silicon
Selbstportrait als Neununddreissigjähriger.

2. Fußboden: Terrakotta und PVC auf Terrakotta
Auf dem Terrakottaboden des Alten Dampfbades ist im kleinsten Durchgangsraum ein PVC-Belag mit Terrakottaimitat verlegt. Die unterschiedlichen Oberflächen verändern das Soundenvironment, das beim Begehen der Ausstellung durch die Besucher*innen entsteht.

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vor dem haus des lehrers am alexanderplatz stehen vier vitrinen, in denen zwischen 1997 und 2000 wechselnde ausstellungen stattfinden. an allen vier innenseiten der vitrinenscheiben sind autoscheibenwischer installiert. die wischer sind in betrieb.

aus jeder der vier vitrinen dringt leiser gesang - jede vitrine hat ein eigenes lied, das endlos abgespielt wird. in den liedern werden in unterschiedlicher weise tränen besungen. tagsüber durch den starken verkehr nur zu verstehen, wenn man das ohr an die scheibe presst, wird man auf das singen nachts schon aufmerksam, wenn man die vitrinen auf dem menschenleeren platz passiert.

es singen: christian von borries: ich hab im traum geweinet (franz schubert), roland kretschmer: die endlosen nächte (freddy quinn), uwe zühlke: sofdu unga austin min (isländisches wiegenlied), markus strieder: besame (mexikanisches liebeslied).

der ölfarbenverschmierte apparat ist das ehemalige ateliertelefon der berliner malerin kerstin drechsel. bei abheben des hörers ertönt das von kerstin drechsel eingesungene freizeichen aus der hörmuschel.

die dirty windows gallery, in den neunziger jahren von dem berliner künstler dirk sommer betrieben, zeigt ausstellungen im wöchentlichen wechsel.

die scheiben der schaufenster werden geputzt und dieser vorgang - ähnlich wie reinigungsfirmen das in bürogebäuden tun - kenntlich gemacht.

Kassettenabspielgerät mit Endloskassette in Plastiktüte
48 x 32 x 8 cm

Aus der Tüte tönt Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre von Friedrich Holländer (gesungen von M.S.).
Die Tüte hängt idealer Weise an einer Garderobe.


museum für post und kommunikation frankfurt am main 5. dezember 1995 bis 28. januar 1996

tele..., Tele... (griech.), Bedeutungswort von Zusammensetzungen mit der Bed. "fern, weit".
phon..., Phon... (zu griech. phone "Laut, Ton"), Bestimmungswort von Zusammen-
setzungen mit der Bed. "Klang, Laut, Stimme, Ton".
(Meyers Großes Taschenlexikon: in 24 Bk./hrsg. u. bearb. von d. Lexikonred. d. Bibliograph. Inst. - Mannheim 1981).

die installation
auf einer wendeltreppe stehen 120 telefonapparate des modells 611 der deutschen bundespost. alle apparate sind angeschlossen, ein teil ans öffentliche netz, der andere an eine hausanlage. ein abheben der telefonhörer ist nicht möglich.

die fernmusiker*innen
die telefonnummern der von außerhalb anwählbaren apparate sind an personen in der ganzen bundesrepublik verteilt. diese erhalten zu beginn des fernkonzerts eine ernennungsurkunde zum/zur fernmusiker*in und einen benutzer*innenausweis mit ihrer persönlichen fernkonzertrufnummer. dafür verpflichten sie sich, mehrmals am tag die nummer anzurufen und es jeweils einige male klingeln zu lassen. wann und wie oft bestimmen die fernmusiker*innen selbst.

die rufnummern der ans hausnetz angeschlossenen apparate hängen auf listen neben im ausstellungsbereich existierenden hausapparaten. von hier aus kann jede*r besucher*in vor ort zum/zur fernmusiker*in werden. zusätzlich können die besucher*innen im museum ausliegende zettel mit den externen rufnummern mitnehmen und sich somit nach dem museumsbesuch weiterhin als fernmusiker*in betätigen.

das frankfurter fernkonzert
beginnt mit dem freischalten der telefonleitungen und endet mit abbau der ausstellung. es erklingt auf der wendeltreppe durch die anrufe der fernmusiker*innen und die stille zwischen dem klingeln. der rhythmus des fernkonzerts entsteht durch die pausen (nachts möglicherweise längere) und das rhythmisierte klingeln der telefonapparate: stille und klang. das 120-stimmige und polyrhythmische klangbild des fernkonzerts ist ergebnis des zufalls. das fernkonzert dauert solange die ausstellung läuft. es gibt keine partitur. das zweimonatige frankfurter fernkonzert ist unwiederholbar. bei jedem wiederholten aufbau der installation entsteht ein eigenes, neues fernkonzert.






markus strieder